• Katia Grünig

Ganzheitliche Selbstfürsorge

Updated: May 26

Ein wichtiger Teil meiner konstitutionellen Akupunktur-Behandlungen ist das Fördern der Eigenverantwortung meiner KlientInnen und das gemeinsame Erarbeiten von individuellen Strategien, wie eine gesunde Selbstfürsorge im Alltag umgesetzt werden kann. Wir alle können durch achtsame Selbstfürsorge unsere Gesundheit bewahren und die notwendigen Schritte unternehmen, wenn sich Ungleichgewichte und Beschwerden zeigen. Der goldene Schlüssel zu einer effizienten Selbstfürsorge ist unsere Eigenwahrnehmung («Wie geht es mir?») und das Wissen um die individuellen «Heilmittel» für die möglichen persönlichen Ungleichgewichte («Was brauche ich?»).



Die Fühler nach innen richten: Wie geht es mir heute?

Um rundum gesund zu sein und zu bleiben, ist es wichtig, in regelmässigen Abständen unsere Aufmerksamkeit nach innen zu richten und mit allen unseren vier Ebenen in Verbindung zu treten, um mögliche Ungleichgewichte aufzuspüren. Dabei hilft es zu wissen, worauf wir unsere Wahrnehmung fokussieren sollten.

Die vier Ebenen, auf die wir unsere Wahrnehmung richten, sind

  • die körperliche Ebene

  • die emotionale Ebene

  • die mentale Ebene

  • und die spirituelle Ebene.

Viel zu häufig ist unsere Aufmerksamkeit im Alltag mehrheitlich auf das Aussen gerichtet, und der Kontakt zu uns selbst ist auf ein Minimum reduziert. Gerade in stressreichen Zeiten «funktionieren» wir häufig, statt wirklich zu leben und vergessen dabei, auf unsere Befindlichkeit und Bedürfnisse zu achten. Um uns selbst wahrnehmen zu können, brauchen wir jedoch in unserem Alltag Momente der Achtsamkeit und Verbundenheit mit uns selber. Es reicht, wenn wir uns täglich 10 Minuten Zeit nehmen für die Frage, wie es uns gerade geht. Als mögliche Form bietet sich beispielsweise ein kurzer Tagebucheintrag an. Für Paare kann es ein verbindendes Ritual sein, sich abends gegenseitig je 10 Minuten lang zu erzählen, wie es ihnen an diesem Tag ergangen ist. Auch die Phase vor dem Einschlafen eignet sich gut, um wieder ganz bei sich anzukommen.

Es lohnt sich, dabei nach einem festen Schema vorzugehen und die vier Ebenen nacheinander zu «checken»:

  • Wie ist es mir heute körperlich gegangen? Habe ich irgendwelche Beschwerden wahrgenommen? Wie fühlt sich mein Körper jetzt an? Lassen Sie Ihre Wahrnehmung vom Scheitel bis zu den Fusssohlen durch den Körper wandern. Stellen Sie irgendwo Spannungen, Schmerzen, Unwohlsein fest?

  • Welche Gefühle haben mich begleitet? Haben mich Konflikte, schwierige Themen oder bekannte Verhaltensmuster herausgefordert? Ist es mir gelungen, meine Gefühle auszudrücken oder zumindest für mich selbst mitfühlend wahrzunehmen?

  • Sind mir bestimmte Gedanken aufgefallen? Habe ich eher positive Gedanken beobachtet oder mehrheitlich negative? Habe ich destruktive Glaubenssätze oder Selbstverurteilung wahrgenommen? Haben sich meine Gedanken um bestimmte Themen im Kreis gedreht?

  • Habe ich mich spirituell verbunden gefühlt? Habe ich den heutigen Tag als «sinn-voll» erlebt? Haben mich meine Tätigkeiten genährt und erfüllt?

Über das tägliche Befinden hinaus kann es sinnvoll und hilfreich sein, sich ab und zu ein paar Fragen zu stellen zu den verschiedenen Ebenen und sich selbst ehrliche Antworten darauf zu geben. So können Sie aufmerksam werden auf längerfristig unerfüllte Bedürfnisse und Bereiche in Ihrem Leben, welche vielleicht eine Veränderung brauchen. Eine Auswahl an möglichen Fragen finden Sie als PDF angehängt. Die Liste kann beliebig ergänzt werden mit eigenen Fragen.


Bedürfnisse erfüllen: Was brauche ich in diesem Moment?

Wenn es uns – auf welcher Ebene auch immer – nicht gut geht, sollten wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was brauche ich in diesem Augenblick?

  • Was würde mir jetzt guttun?

  • Gibt es etwas, was ich in diesem Moment für mich selbst tun kann?

Wenn Sie sich Ihr Bedürfnis nicht selbst erfüllen können, bitten Sie Ihren Partner / Ihre Partnerin oder einen Freund / eine Freundin darum. Es ist ein schönes Gefühl, einem geliebten Menschen einen Wunsch erfüllen und ihn so unterstützen zu können. Und umgekehrt ist es auch entlastend für uns, wenn wir einen Menschen, dem es nicht gut geht, fragen können: «Gibt es etwas, was ich in diesem Moment für dich tun kann?».

Bei körperlichem Unwohlsein kann eine Tasse Tee, eine Massage oder ein Bad sehr wohltuend sein. Sind Sie emotional durcheinander, haben Sie vielleicht das Bedürfnis, mit Ihrer besten Freundin zu reden und Ihre Gefühle mit ihr zu reflektieren. Sind Sie in einem Gedankenkarussell gefangen, könnte ein spannendes Buch Abhilfe schaffen. Und wenn Ihr Tag unbefriedigend war und Sie sich fragen, wozu das alles gut war, könnte ein Spaziergang in der Natur oder eine Meditation Sie wieder zentrieren.

Vielleicht nehmen Sie sich einmal Zeit zu überlegen, was Ihnen auf den verschiedenen Ebenen guttun könnte und schreiben eine Liste mit diesen Ideen. Manchmal fällt es uns nämlich nicht ganz so einfach, unsere Bedürfnisse zu spüren. Dann kann eine solche Ideensammlung hilfreich sein.

Wenn wir auf diese Weise regelmässig in Kontakt sind mit unseren Ebenen und den damit verbundenen Bedürfnissen, können wir einen grossen Beitrag dazu leisten, in der Balance zu bleiben und grössere Ungleichgewichte zu vermeiden. Sollten wir dennoch aus dem Gleichgewicht geraten, ist es möglich, dies dank bewusster Selbstwahrnehmung früh zu erkennen und rechtzeitig eine geeignete Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

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